Dienstag, 18. April 2017

Photovoltaik Anlage: Amortisationsrechnung

Ich bin seit geraumer Zeit Mitglied einer Facebook Gruppe von Viebrockhaus Bauherren:

Facebook Gruppe Viebrockhaus Bauherren

Dies ist eine Gruppe nur für Viebrockhaus Bauherren und es werden hier Fragen den Bau betreffend, aber auch andere Themen rund um Viebrockhaus beantwortet. Eine immer wieder regelmäßig auftretende Frage ist: Rechnet sich eine PV Anlage und wenn ja, ab wann? Natürlich gibt es in der Gruppe die Mitglieder die sagen, lohnt sich nicht und auch die andere Fraktion, die eine PV Anlage haben und diese nicht missen wollen (so wie ich).

Ich habe mir bei der Planung des Hauses darüber natürlich auch so meine Gedanken gemacht und wäre eigentlich nie auf die Idee gekommen, mir keine PV Anlage aufs Dach zu setzen. Für mich gehörte die immer dazu, insbesondere auch deshalb, da die Wärmpumpe Strom braucht um Wärme zu erzeugen. Eine Amortisationsrechnung habe ich im Vorfeld natürlich nicht gemacht. Auf die Idee bin ich noch nicht einmal gekommen und auch Viebrock hat in dieser Beziehung nichts anzubieten. Das ist zugegebenermaßen nicht Ideal und man sollte annehmen, dass ein Hausbauer hier zumindest Rechenmodelle anbietet um sein Konzept zu untermauern.

Nun, wie auch immer. Ich will mit diesem Post hier versuchen das Thema etwas näher zu beleuchten. Auch werde ich versuchen dabei so neutral wie möglich zu bleiben, was mir natürlich schwer fallen wird. Ich bin von meiner Anlage bis dato überzeugt und bin auch froh diese mit dem Hausbau installiert zu haben. Dabei möchte ich betonen, dass die Berechnung die hier folgt nach bestem Wissen und Gewissen gemacht worden ist. Sicherlich ist sie nicht perfekt. Sollte ich einen groben Schnitzer in der Berechnung haben, so möchte ich den Leser einfach bitten mich zu kontaktieren.

Um das Thema ganzheitlich zu betrachten muss man auf der einen Seite Kosten beachten, die mit der Erstellung der Anlage und den Betrieb auf einen zukommen. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch die Haben Seite wie das einspeisen des Stroms in das öffentliche Netz und den daraus resultierenden Ertrag den man von den Stadtwerken bekommt, aber auch die Ersparnisse die man hat, wenn man den Strom den man erzeugt selbst verbraucht.

Kosten

Investition: PV Anlage

Die PV Anlage war in unserem Hauspreis mit 2 Paketen von VBH veranschlagt. Ein Paket war die PV Anlage selbst, mit 5 kw/h Peak Nennleistung. Das zweite Paket war die Hausbatterie mit 2,8 kw/h Leistung. Diese Batterie wurde bei uns allerdings nie eingebaut. Wir haben von Viebrock eine Batterie von 3,5 kw/h eingebaut bekommen. Die kleinere Batterie wurde nicht mehr hergestellt, so dass wir die größere bekommen hatten, was uns natürlich gefreut hat. Beide Pakete haben zusammen 10890 Euro (inkl. Mehrwertsteuer) gekostet.

Da wir aber auf eine Besteuerung nach Kleinunternehmer verzichtet haben, hat uns das Finanzamt im Jahr 2016 die Vorsteuer auf die PV Anlage zurückgezahlt. Wir haben damals von Viebrock eine Gesamtrechnung für die PV Anlage und die Batterie über 21.587,15 € bekommen. Darin waren 3446,69 Euro Mehrwertsteuer enthalten. Somit haben wir also statt 10890,00 € nur 7443,31 € bezahlt. das wirkt sich natürlich sehr positiv auf unsere Gesamtrechnung aus. Die 7443,31 € sind also letztendlich die Kosten, die ich durch den Betrieb der Anlage wieder rausholen muss.

Warum die Rechnung von VBH so hoch ausgefallen ist kann ich nur erahnen. Ich denke es ist immer eine Mischkalkulation die hier gemacht wird und ein Teil der Gewerke können nicht so einfach rausgerechnet werden. Hier sind ja Dachdecker, Elektriker und auch noch andere mit beteiligt. Des Weiteren war das damals auch ein Einführungsangebot der Greenline Pakete und war entsprechend attraktiv.

laufende Kosten:

Als laufende Kosten betrachte ich die Kosten, die im Laufe des Betriebes der Anlage auftreten. Dabei sind die Kosten durchaus getrennt zu betrachten. Die hier dargestellten Zahlen basieren auf das Jahr 2016. Dabei gibt es echte Kosten die auftreten. Hier würde ich zum Beispiel Kosten der Vorsteuer sehen, die wir an das Finanzamt abführen müssen, bzw. auch Zinsen die wir bezahlen, da die PV Anlage ja Teil des Hauses ist und somit auch irgendwie finanziert werden musste. Weiterhin fließen Fiktive Kosten mit in die Rechnung rein, wie Zinsen die mir potentiell entgehen würden, wenn ich das investierte Geld auf ein Tagesgeldkonto angelegt hätte, wobei wer macht das schon, einen Kredit aufnehmen und dann dieses Geld wieder schlechter verzinst anlegen.

Vorsteuer

Auf der einen Seite haben wir Kosten, wie die Vorsteuer die wir auf den Strom den wir an die Stadtwerke einspeisen, aber auch die Vorsteuer die wir auf den Eigenverbrauch an Strom an das Finanzamt abführen müssen. Das ist ein nicht ganz unmaßgeblicher Posten und muss mit in die Gesamtrechnung einfließen. Dabei ist die Berechnungsgrundlage durchaus unterschiedlich

Wir bekommen von den Stadtwerken 0,125€ pro kw/h netto. Darauf müssen von uns 19% Vorsteuer abgeführt werden. Im Jahr 2016 haben wir bei 1960 kw/h die wir an die Stadtwerke abgeführt haben 245 € netto erhalten und davon 46,55 € Vorsteuer abgeführt.

Weiterhin haben wir einen Eigenverbrauch von 2601 kw/h gehabt. Für diesen Eigenverbrauch hätten wir normaler weise 893,00 € (Brutto) bei unserem aktuellen Tarif bezahlen müssen. Das haben wir also gespart. Dummerweise muss man für den Eigenverbrauch auch Vorsteuer bezahlen. Somit haben wir auf die 893,00 Euro eine Vorsteuer von 142,62 an das Finanzamt abgeführt. Insgesamt haben wir also Umsatzsteuer über 189,17 an das Finanzamt abgeführt.

Zinsen Finanzierung PV Anlage

Wir haben unser Haus/Grundstück und alles zusammen zu ca. 30% über Eigenkapital finanziert. Somit habe ich die 70 Prozent von 7443,00 Euro als Basis für die jährliche Zinsbelastung genommen und mit einem durchschnittlichen Zinssatz von 2 % berechnet. Dies würden für das Jahr 2016 dann 104,21 Euro an Zinsen ausmachen, die wir für die Finanzierung der PV Anlage bezahlen. Diese würden sich natürlich jedes Jahr minimieren, da ich ja auch den Kredit tilge. Aber dazu später noch einmal mehr.

entgangene Zinsen PV Anlage

Technisch gesehen hätte ich das Geld für die PV Anlage auch anlegen können und dafür Zinsen bekommen. Natürlich würde das Geld für irgendeinen anderen Posten während des Hausbaus drauf gehen, aber wie auch immer. Ich werde diesen Posten mit rein nehmen, da ich jetzt schon die Kritiker höre die sagen, aber das Geld hättest du ja auch anlegen können (obwohl das natürlich niemand machen würde, ein Kredit aufnehmen und dann dieses Geld wieder schlechter verzinst anlegen). Hierfür habe ich einen fiktiven Prozentsatz von 1 % angenommen. Ich denke das wäre durchaus ein Zinssatz der als Tagesgeldkonto durchaus realisierbar wäre. Das wären dann noch mal 52,10 Euro auf der Kosten Seite.

Wartung

PV Anlagen müssen ja auch gewartet werden, wobei sie eigentlich zu Anlagen gehören, die als wenig Wartungsaufwändig zählen. Unter Wartung zählt ja unter anderem auch Reinigung (Bemoosung) oder auch entfernen von Laub und ähnliches, aber auch eine technische Sichtkontrolle. Leider habe ich keine Referenz für die Kosten einer Wartung. Die Anfrage an VBH diesbezüglich lief  mehr oder weniger ins Leere. Die Aussage war, so lange sie Garantie drauf haben (10 Jahre), brauchen Sie keine Wartung. Na super. Ein anderer Bauherr hat wohl bereits eine PV Anlage woanders verbaut und hier waren dann 60€ Netto pro Jahr fällig. Diesen Wert habe ich mal als Referenz übernommen und in meine Rechnung einfließen lassen.

Nutzungsentgelt

Der Energieversorger dessen Leitung man für die Einspeisung des Stroms benutz bekommt auch einen kleinen Obolus von uns. Hier werden pro Jahr 30,00 brutto (25,21 € Netto) dafür fällig, das wir seine Leitung zum Einspeisen nutzen dürfen und er uns ein entsprechendes Messgerät (Zähler) zur Verfügung stellt.

Somit verlasse ich das Thema Kosten erst einmal und wir kommen zu den positiven Punkten:

Erträge/Steuerliche Sondereffekte

Hier fließen nicht nur die Erträge ein, sondern auch steuerliche Sondereffekte (Abschreibungen), die man bei dem Betrieb der PV Anlage berücksichtigen muss. Die einmalige Rückzahlung der Vorsteuer für die PV Anlage habe ich bereits weiter oben erwähnt. Diese wird hier nicht weiter berücksichtigt.

Ertrag Strom

Wir haben 2016 4964  kw/h Strom erzeugt. Davon haben wir 2601 kw/h selbst verbraucht. Dies ergibt eine Eigenverbrauchsquote für das gesamte Jahr von ca. 52,4 %. Den Ertrag schlüssele ich für meine Gesamtrechnung folgendermaßen auf:

Einspeisung Stadtwerke

1960 kw/h haben wir an die Stadtwerke abgegeben und dafür 0,125 € pro kw/h bekommen. Das machen dann 245,00 € Netto.

Eigenverbrauch Strom

2601 kw/h haben wir selbst verbraucht. Darin ist der Eigenverbrauch über die Batterie (711 kw/h) als auch der direkte Eigenverbrauch (1890 kw/h) enthalten. Hätten wir diese 2601 kw/h über die Stadtwerke bezogen, dann müssten wir für diesen Strom 750,62 Euro bezahlen.

Steuerliche Sondereffekte

Im Rahmen unserer Einkommensteuererklärung mache ich auch eine Gewinn- und Verlustrechnung über den Betrieb der PV Anlage als Kleinunternehmer. Dabei werden die Erträge aus dem Betrieb der PV Anlage aber auch die Verluste/Abschreibungen der Anfangsinvestition gegen gerechnet. Steuerlich gesehen wird die PV Anlag in den nächsten 20 Jahren immer eine Verlustrechnung sein. Das resultiert daraus, dass ich die PV Anlage ja auch abschreiben kann und somit eigentlich immer im Minus lande. Das wirkt sich dann aber auch positiv auf meine Einkommensteuer aus. Ich habe mit meinem WISO Programm meine Einkommensteuer für das Jahr 2016 mal mit und mal ohne PV Anlagenbetrieb berechnen lasse. Allein durch den Betrieb der PV Anlage  habe ich eine steuerliche Ersparnis von 225,00 € pro Jahr, was sich natürlich positiv auf meine Armotisationsrechnung auswirkt.

So, damit bin ich mit meiner Aufstellung am Ende. Um das Ganze mal etwas übersichtlicher zu gestalten. habe ich die Kosten in einer Soll/Haben Übersicht aufgelistet. Dabei habe ich 2 Übersichten erstellt.

Die erste Übersicht beinhaltet alle Posten, die hier aufgezählt worden sind, also auch die Posten in Bezug auf die Finanzierung der PV Anlage und potentielle Zinsen die mir entgangen sind. Bei der zweiten Übersicht habe ich die Punkte Zinsen weggelassen. Ich denke, das Geld hätten wir sicherlich irgendwo anders versenkt und hätten dann die Zinsen für etwas anderes bezahlt. Das gleiche gilt meiner Meinung nach für die Zinsen die wir bekommen hätten, wenn wir das Geld für die die PV Anlage auf einem Tagesgeldkonto angelegt hätten. Auch das ist meiner Meinung nach nur ein theoretischer Wert. Jeder der mal gebaut hat weiß genau, dass am Ende nichts übrig bleibt und jeden Cent in ein anderes Projekt steckt und als letztes auf ein Tagesgeldkonto packt.


Amortisation Übersicht 1, inkl. aller aufgeführten Posten


Nach dieser Berechnung hat sich unsere Investition in die PV Anlage nach ca. 9 Jahren und 2 Monaten amortisiert.

Amortisation Übersicht 2, exklusive Zinsen


Nach dieser Berechnung hat sich unsere Investition in die PV Anlage nach knapp 8 Jahren amortisiert.

Wer nun bis hierher durchgehalten hat, Herzlichen Glückwunsch...ich bin bald am Ende... :-)

Ein paar Anmerkungen noch zu den einen oder anderen wichtigen Punkt:

1. Leistungseinbußen durch Vermoosung/Verdrecken der PV Panels
Wir haben unsere Anlage jetzt seit 2,5 Jahren auf unseren Dach und konnten bisher kaum bis gar keine Vermoosung oder ein verdrecken der Anlage beobachten. Sie sieht immer noch so aus wie vorher. Der Regen wäscht sie immer schön sauber und auch eine Vermoosung ist noch nicht einmal ansatzweise zu entdecken.

Hier noch ein paar Tipps um die PV Analage zu pflegen:

http://de.blog.milkthesun.com/5-basis-tipps-fuer-solaranlagen-betreiber-so-halten-ihre-solarmodule-laenger/?utm_source=facebook&utm_medium=fanpage&utm_campaign=tipps_module

2. Leistungseinbußen durch Alter der PV Panels
Hier ein paar Details zu diesem Punkt.
http://www.solaranlage.eu/photovoltaik/technik-komponenten/solarmodule/degradation
Nach dem obigen Artikel habe ich pro Jahr ca. 0,5% weniger Ertrag durch die Alterung von den Solarmodulen. Das würde in meinem Rechenbeispiel bedeuten, dass ich rein rechnerisch im Jahr 2017 ca. 25kw/h weniger Ertrag als 2016 hätte. Nun, ich persönlich denke, dass dies irgendwie kaum greifbar ist. 25 kw/h weniger bedeutet über das ganze Jahr gerechnet einen sonnigen Tag weniger im Jahr. Da fürchte ich mich eher vor einem schlechten Sommer, als vor der Alterung der PV Module. Da ich ja hier auch Zinseffekte mit einrechne und zum Beispiel die Tilgung der Finanzierung nicht bis zum Schluss mit einberechne denke ich, dass die Alterung eher nur ein theoretisches Zahlenspiel ist und durch die nicht bis zum Ende geführte Zins/Tilgungsberechnung sich irgendwie egalisiert. Wer anderer Meinung ist, kann mir gerne das Gegenteil beweisen.

3. Eigenverbrauch vs. Einspeisung
Die Einspeisung von Strom lohnt sich meiner Meinung nach kaum bis gar nicht. Wir bekommen 12,5 ct pro kw/h für jede eingespeiste kw/h Strom. Wenn wir den Strom selbst verbrauchen sparen wir das Doppelte für jede selbst verbrauchte kw/h. Somit ist ganz klar: Nur durch Eigenverbrauch spart man und damit rechnet sich dann auch die PV Anlage. Sicherlich braucht man einen langen Atem, aber was soll's. Wir haben unsere PV Anlage so ausgerichtet, dass wir den ganzen Tag lang über die Sonne drauf haben. Ein Teil der Panels ist Richtung Süd/Ost und ein anderer Teil in Richtung Süd West ausgerichtet. Jetzt Mitte/Ende April haben wir ab 7.00 Uhr morgens bis 19:00 Uhr abends permanent die Sonne drauf und schaffen es sehr viel Strom selbst zu verbrauchen. Auch unser Verhalten den Strom zu verbrauchen hat sich geändert. Waschmaschine, Trockner & Co werden erst ab 10.00 Uhr eingeschaltet, geduscht wird nicht morgens oder abends sondern spontan auch mal mittags. Ich arbeite viel von zu Hause, was natürlich uns entgegen kommt und ich somit auch mal spontan die Waschmaschine an machen kann.

4.Stromverbrauch im Winter

Das ist ein Thema, welches vor allem in der Viebrockhaus Facebook Gruppe immer wieder für große Diskussionen führt. Das erstaunen ist groß, dass im Winter bzw. dann wenn es besonders kalt ist, die Wärmepumpe viel Strom verbraucht. Ja, das liegt in der Natur der Dinge. Ab einen gewissen Grad, schafft es die Wärmepumpe nicht mehr und es wird über einen Heizstab (Ähnliches Prinzip wie beim Wasserkocher) die Wärmeerzeugung unterstützt. Das ist nun mal das Prinzip mit der die Pumpe arbeitet. Sicherlich könnte man durch Erdwärme bzw. Solepumpe hier weniger Strom verbrauchen. Allerdings sollte man dann aber auch darauf gefasst sein, dass die Investition in diese Technologie noch mal ordentlich ist.

Wir hatten in diesem Winter im Januar einen Stromverbrauch von über 1000 kw/h. Im Februar hatten wir über 800 kw/h Strom verbraucht. Das ist viel, sogar sehr viel. Allerdings glaube ich an die Gesamtrechnung. Durch unsere PV Anlage sparen wir so viel Strom durch unseren Eigenverbrauch, so dass wir am Ende des Jahres durchaus eine positive Gesamtrechnung haben und wir weniger Strom verbrauchen, als vergleichbare Haushalte mit konventioneller Heizung und Strom dazu. Im letzten Jahr hatten wir von den Stadtwerken ca. 4900 kw/h an Strom bezogen. Das ist für einen 5 Personen Haushalt nicht schlecht und wir sind am Ende damit sehr zufrieden.

So, ich denke ich bin erst einmal am Ende mit meinen Ausführungen und freue mich natürlich über den einen oder anderen Kommentar.





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